Samstag, 12. Dezember 2009

Von der Schwierigkeit zu Negieren


Bekannterweise hatte die Freidenker-Vereinung der Schweiz mit solch hübschen und vorallen intellektuell redlichen Plakaten die metaphorisch-atheistischen Herzen der Eidgenossen erwärmt. Natürlich konnte sich die Pfaffenfraktion nicht zurückhalten und musste dagegen plaketieren, weil
"[wir] den Leuten zeigen [wollen], dass es eine andere Sicht der Dinge gibt",

Quelle: pro-medienmagazin.de
so der Oberpriester der Markuskirche in Luzern. Das ist natürlich richtig und sinnvoll, denn man fragt sich doch immer wieder, wozu diese ganzen eckigen Turmbauten und das Glockengeschepper wohl dienen mögen (rund dürfen die Türme ja nicht mehr sein). Ausserdem
"sei die Botschaft der Atheisten zu negativ formuliert",
meint Pastor Hohlmann... äh... Kolmann und da hat der gute Mann sicherlich recht. Denn erstens gibt es ja zwei Negationen auf dem Plakat (kein Gott und nicht sorgen) und zweitens erlöst die postulierte Existenz des Himmelbarts den Menschen von der unerträglichen Last eines selbstbestimmten Lebens. Deswegen hat sich Kolmann in guter christlicher Tradition entschlossen, sich nichts neues auszudenken (Frage: Welche Sagengestalt starb und stand drei Tage später wieder von den Toten auf?). Stattdessen übernahm er die Idee  der Freidenker und plakatierte mit derselben Aufmachung. Wobei das Kolmannsche Plakat
"die genau umgekehrte Bedeutung der Plakate der Atheisten"
haben soll, wie das christliche Medienmagazin PRO zu berichterstatten weiß. Nun sollte es klar sein, dass sich die umgekehrte Bedeutung eines Satzes mit einer Negation herstellen lässt. Wenden wir also die Negationsoperation auf die Aussagen des Freidenker-Plakats an und sehen uns das Ergebnis an:
Da ist wahrscheinlich ein Gott
Also sorge Dich
Geniess nicht das Leben
Das gibt zwar meiner Meinung nach die christliche Botschaft ziemlich gut wieder, deckt sich aber nicht unbedingt mit der Arbeitsunterlassungs-Aufforderung, die tatsächlich am Kirchturm prangerte:
Da ist bestimmt ein Gott
Also sorg Dich nicht
Gott sorgt für Dich
Wobei ich anmerken möchte, dass mir der Gebrauch des Wortes "bestimmt" ganz besonders gut gefällt.



Übrigens kann es durchaus sein, dass ich hier gegen imaginäre Windmühlen kämpfe, denn wie es im Impressum von PRO heißt:
"KEP [Herausgeber von PRO] übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen."
Und das ist ja nun wieder erfrischend ehrlich.



Für die Erlaubnis den hier besprochenen Artikel auszugsweise zitieren zu dürfen, möchte ich dem christlichen Medienmagazin PRO herzlich danken.