Freitag, 12. August 2011

Die Unvereinbarkeit von Wissenschaft und Religion

Wenn es um die Vereinbarkeit von Glaube und Naturwissenschaft geht, werden die Argumente der Apologeten diffus. Religion soll eine andere Kategorie von Fragen beantworten können (z.B.: Warum-Fragen) als die Naturwissenschaft (z.B.: Was- und Wie-Fragen). Lassen wir mal die simplistischen Gegenbeispiele - Warum ist der Himmel blau? - beiseite und stellen die Frage, ob  mit der obigen Kategorisierung tatsächlich zwei komplementäre Bereiche von Fragen etabliert werden, die nichts miteinander zu tun haben.

Bezüglich der Vereinbarkeit von Evolutionstheorie und des Schöpferglaubens wird meist wie folgt argumentiert: Gott soll die Menschen mit Hilfe der Evolution erschaffen haben. Sprich: Er hatte also ein ganz konkretes Ziel - nämlich uns.

Die Evolutionstheorie beschreibt die Entstehung und Entwicklung der Arten als Zusammenspiel von Zufall (hier: Mutationen) und Notwendigkeit (hier: natürliche Selektion). Dank des Zufallselements ist die Evolution ein ungerichteter Prozess. Wenn z.B. die Geschichte um ein paar Milliarden Jahre zurückgedreht werden würde, dann würden sich zwar wieder irgendwelche Arten entwickeln. Es ist jedoch fast ausgeschlossen, dass das wir Menschen nochmal entstehen würden.

Wie kann jedoch ein Ingenieur ein bestimmtes Produkt mit einem ungerichteten Prozess herstellen? Genau diesen Widerspruch sollte natürlich der letzte Blogeintrag aufzeigen.

Wenn also Gott die Evolution benutzt hätte, um die Arten entstehen zu lassen, dann war der Mensch aber nicht mehr als eine sehr, sehr, seehr glückliche Fügung. Welcher Gläubige behauptet schon, dass Gottes Heilsplan sein Wetteinsatz beim größten Glückspiel des Universums war? Wer fühlt sich da gewollt?

Die Evolutionstheorie ist nicht vereinbar mit einem Gott, der den Menschen wollte.

Womit gezeigt ist, dass der Kategorisierungstrick der Apologeten nach Wie- und Warum-Fragen zwar hilft einige Gottesvorstellungen mit der Naturwissenschaft zu vereinen (z.B. ein gleichgültiger Gott). Das Ganze funktioniert aber eben und gerade nicht mit den tatsächlich geglaubten Gottesvariationen.

Kommentare:

  1. Damit hast Du gezeigt, dass Kreationismus (und der zitierte Teensmag-Artikel vermittelt eindeutig kreationistische Ansichten) bzw. Intelligent Design mit der Evolutionstheorie unvereinbar ist. Das wiederum bestreitet aber nicht einmal der Vatikan. Glückwunsch!

    Warum Glaube und Wissenschaft doch vereinbar sein können, sollte eigentlich selbstverstaendlich sein: Solange man etwas noch nicht weiss, kann man trotzdem daran glauben. So glauben auch die meissten Physiker an die Existenz des Gottes-Teilchens (Higgs).

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  2. @Physiker

    "Damit hast Du gezeigt, dass Kreationismus (und der zitierte Teensmag-Artikel vermittelt eindeutig kreationistische Ansichten) bzw. Intelligent Design mit der Evolutionstheorie unvereinbar ist. Das wiederum bestreitet aber nicht einmal der Vatikan. Glückwunsch!"

    Ich ziele absichtlich nicht auf einen Widerspruch zwischen einem naiven Kreationismus und der ET. Vielmehr widerlege ich die Behauptung, dass Gott den Menschen mit Hilfe der ET geschaffen hat. Oder um mich selbst nochmal zu zitieren: Ich zeige, dass die ET nicht mit einem Gott vereinbar ist, der den Menschen wollte. Oder vertritt der Vatikan neuerdings die Ansicht, dass Gott den Menschen nicht wollte?

    Der Link auf den Teensmag-Artikel sollte nur zeigen, dass die obigen genannte These tatsaechlich auch vertreten wird. Zitat: "Viele überzeugte Christen glauben, dass Gott die Welt durch einen Urknall und durch Evolution geschaffen hat. "

    Ganz ehrlich: Hast Du meinen Beitrag ueberhaupt gelesen?

    "Warum Glaube und Wissenschaft doch vereinbar sein können, sollte eigentlich selbstverstaendlich sein: Solange man etwas noch nicht weiss, kann man trotzdem daran glauben. So glauben auch die meissten Physiker an die Existenz des Gottes-Teilchens (Higgs)."

    Man weiss allerdings, wie die Arten entstanden sind und diese Theorie ist mit einem den Menschen wollenden Gott unvereinbar.

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  3. @verquer:
    "Man weiss allerdings, wie die Arten entstanden sind und diese Theorie ist mit einem den Menschen wollenden Gott unvereinbar."
    Es sei denn, dieser Gott ist zumindest was den Zufall betrifft allwissend und/oder allmächtig.

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  4. @Physiker
    Du verwechselt da was. Glauben bedeutet fest von der Existenz eines nicht realen nicht beweisbaren Etwas überzeugt sein. Kein Wissenschaftler "glaubt" an die Existenz eines Higgs-Teilchen. Es ist als wissenschaftliche Hypothese postuliert und nun wird aufwendig versucht die Hypothese in Experimenten zu beweisen und zur Theorie zu machen.

    Dein Ansatz ist die sogenannte Lückenbüßer Religion. Die ewig wahren Dogmen werden durch Erklärungen belegt, die in noch offene Lücken wissenschaftler Kenntnisse passen.

    Wird die Lücken durch neue Erkenntnisse geschlossen, sagen die Betreiber der Religion nicht etwa "sorry, wir haben uns geirrt". Es dauert nicht lange, schon gibt es eine Begründung für das ewig wahre Dogma passend in eine andere Lücke wissenschaftler Kenntnisse.

    Dieses Spielchen wiederholt sich endlos, zumal die Betreiber des Spielchens mehrheitlich nicht genug IQ aufweisen, um die sachliche Konseqeunz aus der wissenschaftlichen Lücke zu verstehen.

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  5. @emporda:
    "Du verwechselt da was. Glauben bedeutet fest von der Existenz eines nicht realen nicht beweisbaren Etwas überzeugt sein."
    So würde ich den Glauben nicht definieren - siehe z.B. Wikipedia. Religiöser Glaube hat etwas mit Vertrauen und Bindung zu tun. Deine Definition ist zu speziell. Nicht einmal der christliche Glaube dürfte damit in Einklang zu bringen sein, denn immerhin wird dort an eine historische Person geglaubt. Ausserdem ist der Realitätsbegriff problematisch, denn je nach Standpunkt muss dieser z.B. auch in der modernen Physik verworfen werden (Stichwort Realitätsbegriff in der Quantenmechanik).

    "Kein Wissenschaftler "glaubt" an die Existenz eines Higgs-Teilchen. Es ist als wissenschaftliche Hypothese postuliert und nun wird aufwendig versucht die Hypothese in Experimenten zu beweisen und zur Theorie zu machen."
    1. Physiker (und die Naturwissenschafen im allgemeinen) unterscheiden nicht zwischen Hypothesen und Theorien.
    2. In den Naturwissenschaften gibt es, streng genommen, keine Beweise. Das liegt daran, dass sie im Gegensatz zur Philosophie empirische Wissenschafften sind.
    3. Die "Arbeits-Hypothese" des Higgs-Mechanismus ist zu einem so grundlegenden Pfeiler der modernen Physik geworden, dass dieser durchaus dogmatische Züge annimmt. Hunderttausende von wissenschaftlichen Arbeiten werden zur Makulatur, wenn der Mechanismus nicht belegt werden kann.

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  6. Also

    Zu 1.: Doch, tun sie, man könnte diese Konzept fast schon als Essenz der Wissenschaft bezeichnen.

    Zu 2.: Jein, Beweisen kann man in der Mathematik sehr wohl, ob die aber eine Natur-Wissenschaft ist, naja...

    Zu 3.: Das tolle an der Wissenschaft ist, dass selbst wenn hunderttausend Arbeiten falsch sind, verbrennen wir deshalb nicht den, der das gezeigt hat, sondern geben ihm einen Nobelpreis.

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  7. @Librarian:
    "Zu 1.: Doch, tun sie, man könnte diese Konzept fast schon als Essenz der Wissenschaft bezeichnen."
    Vorsicht: Wissenschaft ist ein Überbegriff - ich sprach speziell von den Naturwissenschaften (denn was sich unterschiedliche Philosophieströmungen zusammenträumen ist für die naturwissenschaftliche Praxis irrelevant).
    Und in den Naturwissenschaften gilt:
    "Kritisch-rationale Ansätze vertreten allerdings die Auffassung, Theorie, Spekulation und Hypothese seien gleichwertig, da theoretische Annahmen grundsätzlich nicht verifiziert werden könnten (Prinzip der Falsifizierbarkeit)."
    http://de.wikipedia.org/wiki/Hypothese
    Und nur zur Information: Der Positivismus ist seit einem knappen Jahrhundert tot. Das Fundamentale Prinzip der Naturwissenschaften ist die Falsifizierbarkeit.

    "Zu 2.: Jein, Beweisen kann man in der Mathematik sehr wohl, ob die aber eine Natur-Wissenschaft ist, naja..."
    Die Mathematik ist keine Naturwissenschaft. Ein Beweis widerspricht dem Falsifizierbarkeits-Prinzip der Naturwissenschaften.

    "Zu 3.: Das tolle an der Wissenschaft ist, dass selbst wenn hunderttausend Arbeiten falsch sind, verbrennen wir deshalb nicht den, der das gezeigt hat, sondern geben ihm einen Nobelpreis."
    Das ist ein lausiges Unterscheidungskriterium. Nur zur Erinnerung:
    - es gibt auch noch den Friedensnobelpreis...
    - und so viele Wissenschaftler sind gar nicht verbrannt worden

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